2. Stillen und Ernährung - Seite 10

1. Kaum möchte ich etwas essen, greift meine fünf Monate alte Tochter nach meinem Besteck. Heißt das, dass sie keine Lust mehr hat auf Milch?
Es bedeutet auf jeden Fall, dass Ihr Baby ein aufgewecktes kleines Mädchen ist, das sich für alles Neue interessiert. Mit etwa sechs Monaten haben Kinder das motorische Know-how, um vom Löffel zu essen: Sie schaffen es dann, den Mund geschlossen zu halten, die Zunge hinten zu lassen und den Brei zu schlucken. Und so finden Sie heraus, ob Ihre Tochter Lust auf Brei hat: Bieten Sie ihr immer wieder mal einen Klecks Karottenmus auf einem Plastiklöffel an.

2. Ich stille mein Baby voll, möchte jetzt aber langsam damit beginnen, Brei zu füttern. Wie fange ich das an?
Versuchen Sie, die erste Mahlzeit mittags durch Brei zu ersetzen, denn dann sind die meisten Babys wach und gut gelaunt. Der Brei wird wahrscheinlich am ehesten gewürdigt, wenn Ihr Baby ein bisschen Hunger hat, ihm aber noch nicht der Magen knurrt - eine kleine Gratwanderung.
Lassen Sie sich nicht irritieren, wenn die Aktion erst einmal fehlschlägt: Möglicherweise nimmt Ihr Baby den Brei vom Löffel in den Mund, schiebt ihn aber beim Versuch, ihn zu schlucken, wieder hinaus. Nach zwei, drei Anläufen verliert es die Lust an diesem Spielchen und will lieber an Mamas Brust (oder das Fläschchen). Das kann eine oder zwei Wochen so gehen, dann stillen Sie einfach auch mittags weiter (oder geben das Fläschchen). Solange Sie üben, kann das Baby variieren: Hat es keine Geduld mehr, vom Löffel zu essen, kann es sich an der Brust oder aus dem Fläschchen satt trinken. Mag es den Brei, braucht es vielleicht nur noch ein paar Schlucke Milch. Eine komplette Milchmahlzeit sollten Sie erst ausfallen lassen, wenn Ihr Baby es schafft, sich mit Brei satt zu essen. Dann können Sie auch den zweiten Brei am Abend einführen.

3. Was könnte meinem Baby am besten schmecken?
Die meisten Babys finden Karottenbrei großartig. Karotten haben einen leicht süßlichen Geschmack - der ist ihnen von der Muttermilch her vertraut. Karotten vertragen die meisten Babys sehr gut, weil Karotten weder blähen noch verstopfen. Ebenfalls breigeeignet: Brokkoli, Blumenkohl, Fenchel oder Kohlrabi. Der erste Brei sollte aus Gemüse plus Kartoffeln bestehen, eine Woche später kommt etwas Fleisch dazu. Dann folgt ein paar Wochen später der Milch-Getreide-Brei, wieder etwas später der Getreide-Obst-Brei (siehe Rezepte).

4. Gibt es Lebensmittel, die dem Magen eines Babys nicht gut tun?
Finger weg von allem, was schwer verdaulich ist, wie Weißkohl, Rotkohl oder Linsen. Außerdem fängt der kleine Magen bei Rohkost an zu grummeln. Deswegen sollten alle Gemüse, die im Brei landen, gut gekocht sein.
 
5. Braucht mein Baby Abwechslung auf dem Speiseplan?
Nein, im Gegenteil. Der erste Brei ist für Babys ein echtes Geschmackserlebnis. Es besteht also keine Gefahr, dass ihnen der Karottenbrei nach einer Woche langweilig wird. Es ist sogar gut, mindestens eine Woche lang nur eine Gemüsesorte zu füttern, denn nur so kann man herausfinden, ob das Baby auf etwas allergisch reagiert (wunder Po, Pickelchen in den Armbeugen oder im Gesicht). Wenn Ihr Baby am Ende des ersten Lebensjahres vier bis fünf Gemüsesorten kennt, ist das perfekt!

6. Was tun, wenn mein Baby den Brei immer wieder ausspuckt?
Ist der Brei vielleicht zu heiß? Oder zu grob püriert? Wenn es daran nicht liegt, brauchen Sie etwas Geduld. Vielleicht hat Ihr Baby einfach noch keine Lust, vom Löffel zu essen. Oder es ist in seiner motorischen Entwicklung noch nicht so weit. Machen Sie eine oder zwei Wochen Pause und versuchen Sie es dann noch einmal.

7. Babybreie schmecken so fad. Braucht mein Baby denn gar kein Salz für seinen Mineralstoffhaushalt?
Nein. Die Nieren eines Babys funktionieren noch nicht so gut wie bei uns Erwachsenen. Die Organe sind damit überfordert, Kochsalz in größeren Mengen auszuscheiden. Dem Baby-Organismus reichen die natürlichen Mineralstoffe in Gemüse, Getreide und Fleisch.

 Fertiggläschen

8. Selbst gekocht oder im Gläschen - welcher Brei ist besser?
Beide haben Vor- und Nachteile. Babybrei selbst zu kochen, kostet Zeit. Dafür weiß man aber genau, was drin ist. In Gläschen werden manchmal Breie mit abenteuerlichen Gemüsemischungen angeboten, dabei wäre eine Gemüsesorte völlig ausreichend. Der klare Vorteil der Fertigkost: Für Babynahrung gelten so strenge Vorschriften, dass sie laut Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund praktisch schadstofffrei sind. Wer das beim Selberkochen hinkriegen möchte, muss die Zutaten im Bio-Laden kaufen. Der Lohn fürs In-der-Küche-Stehen: Selbst gemacht schmeckt besser. Finden jedenfalls wir Erwachsenen.

9. Worauf muss ich beim Gläschenkauf achten?
Wer Fertigprodukte kauft, sollte immer einen Blick auf die Zutatenliste werfen. Wichtig ist, dass
die Zutaten aus ökologischem Anbau stammen>/li>
die angegebene Rezeptur in etwa der eines selbst zubereiteten Breis entspricht (Vergleichen Sie sie zum Beispiel mit unseren Rezepten)
der Brei weder Zucker, Süßungsmittel noch Salz oder Gewürze enthält
Sie sich nicht von extravaganten Geschmacksrichtungen wie "Apfel-Keks" oder "Stracciatella" verführen lassen. Babys brauchen so etwas noch nicht.

10. Ich habe gehört, dass Babykost sehr wenig Fett enthält. Soll ich Öl untermischen - und wenn ja, welches?
Es stimmt, die meisten Fertig-Gemüsebreie sind zu fettarm. Ein Gläschen sollte etwa 8 bis 10 Gramm Speiseöl enthalten, das entspricht etwa zwei Teelöffeln. Ist das nicht der Fall, sollten Sie das Fett ergänzen. Denn Fett macht es dem Organismus des Babys leichter, wichtige Vitamine aufzunehmen. Außerdem haben Babys einen erhöhten Energiebedarf, der durch ausreichend Fett gedeckt wird. Am besten geeignet sind Speiseöle mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, zum Beispiel Rapsöl, Sojaöl oder Sonnenblumenöl.
 
11. Brauchen Babys eine warme Mahlzeit am Tag?
Ja. Mit etwa sechs Monaten ist der Eisenspeicher im Körper eines Babys leer. Um ihn wieder aufzufüllen, braucht Ihr Kind mineralstoffreiches Essen, also Gemüse und Fleisch. Außerdem sind Nährstoffe aus gekochten Lebensmitteln besser zu verdauen.

12. Darf ich Breireste wieder aufwärmen?
Besser nicht, denn beim Aufwärmen gehen viele wichtige Vitamine verloren. Nitratreiche Lebensmittel wie zum Beispiel Spinat oder Fenchel sollten gar nicht wieder aufgewärmt werden, denn dabei können Nitrit (behindert den Sauerstofftransport im Blut) und Nitrosamine (sind Krebs erregend) entstehen. Wenn das Gläschen voraussichtlich nicht leer gegessen wird, bereitet man besser nur einen Teil zu. Der Rest kann ein bis zwei Tage im Kühlschrank aufgehoben werden.

 
Trinken
13. Was soll mein Baby trinken?
Sobald Ihr Baby feste Nahrung zu sich nimmt, braucht es auch Flüssigkeit. Bieten Sie ihm zu den Mahlzeiten, aber auch zwischendurch etwas zu trinken an. Am besten sind zuckerfreie Getränke (Wasser, Tee). Verzieht es dabei die Schnute, sind auch dünne Saftschorlen (im Verhältnis 1:4) in Ordnung. Sie können Ihrem Baby bedenkenlos Leitungswasser geben. Aufpassen sollten Sie nur bei Wasser, das durch Blei- oder neue Kupferrohre fließt. Eine Wasseranalyse kostet zwischen 20 und 45 Euro und klärt, ob die Rückstände in Ihrem Wasser bedenklich sind. Einige Werke untersuchen das Wasser auch kostenlos, wenn Babys im Haushalt leben. Durch einen Anruf beim Wasserwerk finden Sie außerdem heraus, ob der Nitratgehalt in Ihrem Wasser in Ordnung ist (es sollten nicht mehr als 10 Milligramm pro Liter sein).

14. Ich habe gehört, dass es spezielles Babywasser gibt. Brauchen wir das?
Tetrapaks mit Babywasser sind ein netter Werbegag, wirklich brauchen tut man sie nicht. Für Babywässer gelten zwar strenge Grenzwerte für Inhalts- und Schadstoffe, aber weder Leitungswasser noch herkömmliches Mineralwasser schneiden schlechter ab. Teuer ist das Babywasser außerdem. Zum Vergleich: Mit 46 bis 85 Cent kostet ein Liter so viel wie etwa 100 Liter Leitungswasser.

15. Ist Vollmilch gut für mein Baby?
Früher galt die Regel: Keine Kuhmilch im ersten Lebensjahr, wenn Kinder allergiegefährdet sind! Von dieser strengen Vorschrift sind die Wissenschaftler inzwischen abgerückt. Zwar ist Kuhmilch nach wie vor eines der Lebensmittel, die bei Babys unter sechs Monaten häufig Allergien auslösen, für das zweite Lebenshalbjahr gilt das aber nicht mehr (siehe auch nächste Frage). Ist das Baby also nicht genetisch vorbelastet, kann der Milch-Getreide-Brei für Kinder im Alter von etwa sechs bis acht Monaten bedenkenlos mit Vollmilch zubereitet werden. Als Durstlöscher eignet sich Milch nicht; der hohe Anteil an Eiweißen und Mineralstoffen macht den Babynieren sehr zu schaffen.
 
. Wie vorsichtig muss ich mit bestimmten Lebensmitteln sein, wenn ich Allergien vorbeugen möchte?
Auch da haben sich die Empfehlungen der Experten gelockert. Bis vor Kurzem hieß es: Kinder aus Allergiker-Familien sollen bis zum Ende des ersten Lebensjahres auf Kuhmilch, Soja, Weizen, Fisch, Nüsse und Hühnerei verzichten. Jetzt wurden die vorliegenden Allergie-Studien neu ausgewertet. Ergebnis: Kuhmilch, Soja und Weizen können im zweiten Lebenshalbjahr ruhig auf dem Speiseplan stehen. Denn dann ist die kritische Phase, in der diese Lebensmittel überdurchschnittlich häufig Allergien auslösen, vorbei. Grundsätzlich gilt: Neue Gemüse-, Obst- und Getreidesorten allenfalls in wöchentlichem Abstand einführen. So ist leicht zu erkennen, wenn das Baby etwas nicht verträgt.

17. Unser Baby ist ganz scharf auf Kekse. Darf es daran knabbern?
Knabbern ist okay, aber lieber nicht an Süßem. Wer seinem Kind schon als Baby Kekse und Kuchen gibt, bringt es möglicherweise auf den Geschmack. Besser für zwischendurch: Zwieback, Reiswaffeln, Knäckebrot.

18. Unser Baby bekommt ausschließlich gesundes Essen - müssen wir ihm trotzdem die Zähne putzen?
Auf jeden Fall. Schließlich entsteht Karies nicht allein durch Zucker, sondern durch Kohlenhydrate aller Art (Stärke, Fruchtzucker). Und: Wer schon als Baby lernt, dass Zähneputzen zum Essen dazugehört, tut sich später leichter damit.

19. Können wir unser Baby auch fleischlos ernähren?
Ja, Sie sollten nur darauf achten, dass der Gemüsebrei genügend Eisen enthält. Was das Fleisch ersetzen kann: 10 Gramm eisenreiche Vollkorngetreideflocken (Hafer- oder Hirseflocken). Außerdem ist es gut, viel Vitamin-C-reiches Gemüse (Brokkoli, Blumenkohl oder Fenchel) zu füttern. Vitamin C hilft, das Eisen aus dem Gemüse leichter zu verwerten.

20. Wann können wir die Breimahlzeiten durch normales Essen ersetzen?
Auch ein begeisterter Breiesser will irgendwann das auf dem Teller haben, was Mama und Papa essen. Ab dem zehnten Monat können Sie damit beginnen, statt Brei dünn belegte Käsebrote und ein kleines Glas Milch anzubieten. Je nachdem, wie viele Zähne schon da sind, kann Ihr Kind rohes Gemüse knabbern oder klein geschnittenes Putenschnitzel essen - alles ist erlaubt. Wichtig: Das Essen sollte nach wie vor nicht gewürzt oder gesalzen sein.
 
Mit der Beikost werden die Milchmahlzeiten schrittweise durch Breimahlzeiten ersetzt. Hier die drei Klassiker:

Gemüse-Kartoffel-Fleischbrei (frühestens ab dem 5. Monat)
90-100 g Gemüse
40-60 g Kartoffeln
30-45m l Obstsaft
20-30 g Fleisch
8-10 g Pflanzenöl
Mageres Fleisch in wenig Wasser kochen, klein schneiden und pürieren. Gemüse und Kartoffeln klein schneiden, in Wasser oder der zuvor gekochten Fleischbrühe dünsten. Alles zusammen mit Obstsaft pürieren, Öl unterrühren.

Milch-Getreidebrei (ab dem 6. Monat)
200 ml Vollmilch
20 g Vollkorn-Getreideflocken (z.B. Haferflocken oder Grieß)
20 g Obstsaft oder Obstpüree
Milch mit Getreideflocken aufkochen, Saft bzw. Püree unterrühren.

Getreide-Obst-Brei (ab dem 7. Monat)
20 g Getreideflocken
90 g Wasser
100 g frisches Obst
5 g Pflanzenöl oder Butter
Getreideflocken mit Wasser aufkochen, Obst pürieren, mit dem Fett unterrühren.