Zeckenbiss - Was tun?lesenswert!

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Zeckenbiss - Was tun?

Alljährlich, sobald die warmen Monate beginnen, zieht es die Menschen wieder in die Natur. Alles könnte so wunderbar sein, wenn nicht in Bodennähe eine oft unterschätzte Gefahr lauern würde: Die Zecke. Schnell und unbemerkt hat eine Zecke den Sprung auf den menschlichen Körper geschafft und sticht zu. Was ist nun zu tun?

Warum ein Zeckenbiss gefährlich werden kann

Der Biss einer Zecke als solcher ist an sich ungefährlich. Allerdings können beim Zeckenbiss auch Speichel und damit auch Krankheitserreger in den menschlichen Körper gelangen. Grundsätzlich handelt es sich dabei um die beiden Krankheiten Borreliose und FSME (Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis), eine Form der Hirnhautentzündung.

Borreliose und FSME

Die Gefahr, an einer Borreliose-Infektion zu erkranken, ist recht hoch, denn rund jede 5. Zecke trägt diese Bakterien in sich. (Selten wird Borreliose auch durch Stechmücken und Bremsen übertragen.) Erstes Anzeichen für eine Erkrankung an Borreliose ist eine Rötung der Einstichstelle, die sich kreisförmig ausdehnt – mitunter erst bis zu 16 Wochen nach dem Zeckenbiss. In weiterer Folge treten grippeähnliche Symptome auf. Wird Borreliose nicht behandelt, folgen später chronische Erkrankungen der Haut, Gelenke, Nerven und letztendlich der inneren Organe (bis zur Herzmuskelentzündung). Die Beachtung und Erkennung der verschiedenen Symptome  ist besonders wichtig, weil gegen Borreliose kein vorsorglicher Impfstoff besteht.
 
FSME wird über einen Virus übertragen, den vergleichsweise wenig Zecken bei sich tragen. Zudem ist dieser Virus nicht in allen Landstrichen vertreten. Eine Erkrankung an FSME erfolgt schon kurz nach dem Zeckenbiss, die Symptome sind dabei nicht immer gleich. Oft entsteht eine Art «Sommergrippe», einige Betroffene hingegen reagieren auch mit hohem Fieber, sehr starken Kopfschmerzen und heftigem Erbrechen. Typisch ist auch ein Ziehen im Nacken. Eine Hirnhautentzündung, die durch einen Zeckenbiss verursacht wurde, heilt in der Regel wieder gut ab, muss allerdings in jedem Fall vom Arzt behandelt werden, da auch das Gehirn selbst sich in Folge entzünden kann und dann Lebensgefahr besteht. Eine Vorsorge-Impfung ist der einzige sichere Schutz vor FSME.

Beim Zeckenbiss sofort handeln

  • Hat eine Zecke zugebissen, dann sollte sie so schnell wie möglich entfernt werden. Korrekt geschieht das mit einer Pinzette, bzw. noch besser mit einer speziellen Zecken-Pinzetten. Die Zecke wird mit der Pinzette möglichst weit unten, nah an der Haut gepackt und mit leichten Drehbewegungen entfernt. Wichtig: Das Tier darf beim Entfernen nicht zerdrückt werden, denn sonst könnten die Viren oder Bakterien in den menschlichen Körper gelangen.
  • Die «Bissstelle» wird anschliessend noch gründlich desinfiziert.
  • «Hausmittel» wie Öl oder Klebstoff sind tabu! Durch solche oder ähnliche Substanzen gerät die Zecke in einen Todeskampf und gibt in dieser Situation ebenfalls die gefürchteten Krankheitserreger ab.

Unbedingt zum Arzt sollte man wenn

  • trotz sorgfältiger Entfernung Rückstände der Zecke – erkennbar an einem schwarzen Punkt in der Haut – zurückgeblieben sind
  • sich im weiteren Verlauf Rötungen oder gar Entzündungen an der Einstichstelle ergeben
  • man in Gebieten mit FSME-Gefahr lebt und nicht geimpft ist, denn innerhalb von 4 Tagen besteht die Möglichkeit einer nachträglichen Impfung

Vorbeugen ist besser

  • Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass Zecken sich auf Bäumen aufhalten. Tatsächlich findet man sie in Bodennähe im hohen Gras, niedrigen Sträuchern oder Unterholz. Dies gilt es zu meiden.
  • Wer lange Ärmel und Hosen trägt, gibt den Zecken wenig Chance, direkt an die Haut zu gelangen. (Tipp: Socken ÜBER die Hosen ziehen)
  • Auf heller Kleidung sind Zecken besser sichtbar.
  • Auch das Auftragen von Insektenschutz wirkt abschreckend.
  • Jedem Ausflug sollte eine genaue Untersuchung des Körpers folgen, um unbemerkte Zeckenbisse feststellen zu können. (Beliebte Stellen sind warme und verschwitzte Körperteile wie Nacken, Achsel oder Kniekehle.)
  • Wer oft in der Natur unterwegs ist und in  einem Gefahrengebiet lebt, sollte eine Zecken-Schutz-Impfung in Betracht ziehen.

Fazit

Vom Frühjahr (März) bis in den Spätherbst hinein besteht die Gefahr, von einer Zecke «erwischt» zu werden. Lange Bekleidung und Insektenmittel bieten einen recht guten Schutz vor Zeckenbissen, aber wenn es dennoch passiert, kann schnelles Handeln und aufmerksames Beobachten die schlimmsten Folgen verhindern. Für Gefahrengebiete bleibt eine Zecken-Schutz-Impfung allerdings der sicherste Weg, um zumindest FSME vorzubeugen.
 
Text: Daniel D. Eppe