Doppelter Stress, doppeltes Glück – wenn Zwillinge geboren werden

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Doppelter Stress, doppeltes Glück – wenn Zwillinge geboren werden

Und plötzlich sind da zwei auf dem Ultraschallbild zu sehen. Werdende Zwillingsmütter wissen oft nicht, ob sie sich freuen oder verzweifeln sollen – alles doppelt? Windeln, Koliken, Zahnschmerzen, Kinderkrankheiten, Geschrei und Arbeit, von den Anschaffungen ganz zu schweigen! Aber zwei Kinder auf einmal, das bedeutet auch doppelt entgegengebrachtes Vertrauen, doppelte Liebe, doppelter Stolz und doppelter Spass. Alles hat eben – sprichwörtlich – zwei Seiten!

Wie sollen wir das bloss schaffen?

Natürlich, jedes Kind ist eine grossartige Bereicherung, aber zwei auf einen Streich? Wohin mit den Kindersitzen? Wie funktioniert Synchronfüttern? Warum passen Zwillingswagen nie durch die schmalen Supermarktgänge? Wie schaukelt man zwei Schreihälse gleichzeitig in den Schlaf? Und wann findet der Rest des Lebens statt? Zeitgleich zwei Kinder grosszuziehen stellt für die meisten Eltern schon in der Vorstellung einen enormen Kraftakt dar. Viele neigen dazu, lediglich das Mehr an Strapazen und Aufwand zu sehen, ohne die glücklichen Seiten des Elternlebens zu betrachten. Resignation ist hier völlig fehl am Platz, tatsächlich verleiht diese nicht ganz einfache Aufgabe auch viel innere Kraft, und schliesslich wächst man ja mit seinen Herausforderungen!

Alles nur eine Frage der Planung

Sobald die zweifach frohe Nachricht tatsächlich Gewissheit ist, sollte man nicht zögern, das zukünftige Leben im Geiste schon einmal durchzuspielen. Schnell wird klar, in welchen Situationen ein Elternteil allein schlichtweg nicht ausreicht. Auch wenn die Babys noch im Bauch sind, müssen bereits klare Regeln und Aufteilungen zwischen den Elternteilen aufgestellt werden – später ist keine Zeit mehr für Diskussionen. Wo immer sich praktische Hilfe anbietet – egal ob Familienmitglieder, Freunde, Kollegen oder Nachbarn – sollte man diese unbedingt annehmen. Zwillingseltern sollten keinesfalls propagieren: «Wir schaffen das schon allein!» sondern sich einfach eingestehen, dass gewisse Dinge eben allein nicht zu meistern sind. In Afrika sagt man: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind aufzuziehen. Warum sollten also ausgerechnet Zwillingseltern diesen doch sehr komplexen Auf- und Erziehungsauftrag ganz allein bewältigen?! Auch im Hinblick auf Anschaffungen lohnt es sich, alternative Wege zu gehen. Im Internet, aber auch in Betreuungseinrichtungen gibt es zahlreiche Netzwerke, in denen sich ausschliesslich Zwillingseltern austauschen – ideell und materiell. Bestenfalls ist alles wohlgeplant, beschafft und organisiert, bevor die Neuankömmlinge dann doch alles auf den Kopf stellen.

Die Kraft der zwei Herzen

Gerade die ersten 12 Lebensmonate sind zwar wunderschön, aber auch sehr kräftezehrend für frischgebackene Eltern. Nicht nur, dass Vater und Mutter sich erst einmal an die veränderte Familienstruktur gewöhnen müssen, gilt es zudem auch, gleich zweifach die vielfältigsten Bedürfnisse des Nachwuchses zu stillen. Durchwachte Nächte, turmhohe Wäscheberge und stets erhöhe Aufmerksamkeit führen junge Eltern oft an und über seelische und körperliche Grenzen. Ein gutes Stück Egoismus, glücklich leuchtende Kinderaugen, gegluckstes Lachen und das Vertrauen in die gemeinsame Stärke bringen sie wieder ins Lot. Auch Zwillinge schlafen irgendwann, und dann ist Elternzeit. Besonders die Mütter sollten jede Chance zur Regeneration nutzen und neue Kräfte sammeln. Nach der Fürsorge für die Kinder sollte das eigene Wohlbefinden oberste Priorität haben, alles andere kann warten. Wenn möglich, sollten sich Zwillingseltern so oft wie möglich Auszeiten gönnen – allein oder zu zweit. Zu beobachten, wie zwei Kinder aufwachsen und auch zueinander eine Beziehung aufbauen, beschert anfangs sicher nur kurze Glücksmomente zwischen enormen Anstrengungen. Dennoch kann man dann getrost doppelt stolz sein – nicht zuletzt auf die eigenen Leistungen.
          
Text: Claudia Eichhorn