Schlaf, Kindlein, schlaf – von müden Eltern und munteren Babys

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Schlaf, Kindlein, schlaf – von müden Eltern und munteren Babys

«Na, schläft das Baby schon durch?» Diese  freundlich bis mitleidig gemeinte Frage von Nachbarn und Freunden kann in jungen Eltern durchaus Aggressionen gegen den Frager auslösen. Schliesslich sprechen dunkle Augenringe und permanentes Gähnen eine ziemlich deutliche Sprache. Verständlicherweise sehnen sich Mütter und Väter gerade in den ersten Wochen und Monaten ihrer Elternschaft am meisten nach 5 bis 7 Stunden Schlaf am Stück oft vergebens. Warum nur hat dieser kleine Schreihals alle 2 bis 4 Stunden ein anderes Problem?! Da muss doch was zu machen sein! Selbstverständlich ist da etwas zu machen…

Ursachenforschung

So ein kleiner Mensch schläft rund 15 Stunden am Tag - schön gleichmässig verteilt. Dazwischen geht es anfangs nur um die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse: Essen, Körperpflege, Unterhaltung, Nähe. Sofern diese abgedeckt sind, kann das Baby eigentlich getrost weiterschlummern. Und da fängt der Ärger an. Das vertrauensvolle, ruhige Wiedereinschlafen muss nämlich erst erlernt werden. Doch dabei können die Grossen tatkräftig Unterstützung leisten.

Tragen, Schaukeln, Singen…

Was gibt es nicht alles für kluge Ratschläge! Tragt das Kind durch die Wohnung, egal wie erschöpft ihr seid! Macht Spazierfahrten im Kinderwagen – auch nachts um halb 3! Gebt Nuckelflaschen mit süssem Tee, dann kehrt schon Ruhe ein! Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese Tricks auch funktionieren, allerdings ist fraglich, ob man hier den richtigen Weg beschreitet.

Babys sind sehr oft hungrig

Als frischgebackenem Elternteil muss einem einfach klar sein, dass spätestens alle 4 Stunden der Baby-Magen knurrt. Da gibt es nichts zu rütteln, das ist einfach so. Natürlich muss nicht immer die Mutter für die Versorgung mit Nahrung sorgen – engagierte Väter können genauso gut Fläschchen verabreichen und der Mama so ein paar Momente Extra-Ruhe verschaffen. Wer kann, macht sich mit Baby-Dienst in Wechselschichten das Leben schon etwas leichter.

Erleichterung beim Einschlafen

Das perfekte Kind macht nach dem Füttern, Wickeln, Baden und Spielen einfach die Augen zu und schnarcht friedlich weiter. Aber wer hat schon das perfekte Kind? Das ruhige Einschlafen wird allerdings enorm erleichtert, wenn sich der Nachwuchs in einer sicheren, angenehmen Umgebung weiss. Das eigene Bettchen im Elternschlafzimmer erlaubt, das Atmen von Vater und Mutter wahrzunehmen – ein enorm beruhigendes Geräusch. Wer schnell auf Lautmeldungen des Kleinen reagiert, vermittelt Vertrauen. Baby lernt: Aha, wenn ich mich melde, kommt bald jemand! Eine Sorge weniger, denn auch die Kleinsten haben Verlustängste. Manchmal reicht es schon, kurz in der Nähe zu bleiben; wenn allerdings grosser Kummer herrscht, braucht es tröstenden Körperkontakt.
 
Leise Geräusche wie Singen, (dezente!) Spieluhren, auch Haushaltsakustik von Waschmaschinen und Staubsaugern können als Einschlafhilfe dienen. Ein ruhiger, unhektischer Umgang tut ein Übriges.

Checklisten und Egoismus

Auch Aufopferung hat Grenzen. Bei aller Aufmerksamkeit und Zuwendung müssen Kinder lernen, dass die Eltern nicht ausschliesslich für sie auf der Welt sind. Nachwuchs, der sich erfahrungsbedingt darauf verlassen kann, dass die Eltern immer wieder zurückkommen und ihn  nicht allein lassen, hat damit meist keine Probleme. Kleine Verabschiedungs- und Begrüssungsrituale schaffen Stabilität. Checklisten mit allen denkbaren Schrei-Ursachen (Hunger? Durst? Windel voll? Fieber? Schmerzen? Reizüberflutung? Einsamkeit? Langeweile?) bewahren die Eltern vor Verzweiflung und Panik, ihr «Abarbeiten» führt ja über kurz oder lang zur Problemlösung. Ein vielleicht schwacher, aber ehrlicher Trost: Alle Eltern müssen da durch, und nach 6 bis 12 Monaten werden Tage und Nächte wesentlich ruhiger.

Text: Claudia Eichhorn